Wasserstoffzukunftsregion HyAllgäu

Wasserdampf statt Abgase...


... daran arbeitet das Allgäu mit Unterstützung aus Berlin


Eine besondere Förderung des Bundesverkehrsministeriums erhalten das Allgäu und ausgewählte weitere HyExpert-Regionen in Deutschland, um Projekte mit Wasserstoff umzusetzen. Doch was ist Wasserstoff eigentlich und welche Rolle spielt er im Allgäu für die Energiewende?

Wasserstoff kann unterschiedlich erzeugt werden. Verbreitet ist die Aufspaltung von Wassermolekülen in Wasserstoff und Sauerstoff mittels elektrischen Stroms. Ein Teil der Energie wird dabei im Wasserstoff gespeichert, allerdings steckt ein Teil der Energie auch im Sauerstoff und ein weiterer Teil wird in Wärme umgewandelt.

Wasserstoff ist also ein Energiespeicher, mit dem Strom aus erneuerbaren Quellen über längere Zeit aufbewahrt werden kann. Im Allgäu sind das beispielsweise Stromüberschüsse an besonders sonnigen oder windigen Tagen aus Sonne und Windkraft. Besonders sinnvoll ist die Erzeugung von Wasserstoff dort, wo entweder überschüssiger Strom zur Verfügung steht oder wo auch die Nebenprodukte Sauerstoff und Wärme gebraucht werden. Beides ist auf Kläranlagen der Fall, Sauerstoff und Wärme werden dort in großen Mengen benötigt. Auch Strom steht dort zur Verfügung: Die Kläranlage des Abwasserzweckverbands Kempten erzeugt im Laufe eines Jahres mehr Energie, als sie verbraucht. Sie ist daher ein idealer Standort für die Erzeugung von sehr kostengünstigem Wasserstoff.



Gerade für Mobilitätsanwendungen ist Wasserstoff interessant. Wasserstofffahrzeuge sind im Prinzip Elektroautos, die ihren Strom über eine Brennstoffzelle aus Wasserstoff beziehen. Anders als reine Batterie-Fahrzeuge haben sie wie Verbrenner kurze Betankungszeiten und große Reichweiten.
Ein Zug kann bis zu 1.000 Kilometer mit einer Betankung fahren, Autos etwa 100 Kilometer mit nur einem Kilogramm Wasserstoff (übliche Tanks fassen 5-7 kg).
Der wesentliche Unterschied zu altbekannten Verbrenner-Fahrzeugen ist, dass anstelle (klima-) schädlicher Abgase nur Wasserdampf aus dem Auspuff kommt. Auch bei der Erzeugung werden nur Strom und Wasser benötigt. Es entstehen keine schädlichen Emissionen, wie etwa bei der Ölförderung oder in einer Mineralöl-Raffinerie.
Im Allgäu ist der Einsatz von Wasserstoff beispielsweise im ÖPNV denkbar und wünschenswert. Auch die bewegte Topografie in unserer Region spricht für den Einsatz dieser Technologie. Gegenüber den aktuell genutzten Dieselbussen ist der Einsatz von Fahrzeugen mit Wasserstoffantrieb freilich mit erheblichen Mehrkosten verbunden.

Simon Steuer

© Simon Steuer
Im Herbst 2020 war ein Wasserstoffbus zu Demonstrationszwecken im Oberallgäu unterwegs - einschließlich einer Fahrt über den Riedbergpass nach Balderschwang.

Mithilfe der Fördermittel für das Projekt Wasserstoffzukunftsregion HyAllgäu werden im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Möglichkeiten zur Wasserstofferzeugung genauer durchdacht. Neben der Kläranlage werden auch die Erzeugungspotenziale durch Windkraft, Wasserkraft oder das große Müllheizkraftwerk des ZAK in Betracht gezogen. Ziel ist, ausreichend Wasserstoff für den Betrieb von Bussen, LKW, Pkw und Zügen zu erzeugen.
Noch vor der Kommunalwahl glichen die zahlreichen Ideen rund um den Wasserstoff im Allgäu einem Faden mit zahlreichen losen Enden. Die vom Bundesverkehrsministerium geförderte Machbarkeitsstudie konnte hier in kürzester Zeit konkrete Ergebnisse für ein Reallabor im Allgäu entwickeln.

Die Studie ist ein Gemeinschaftsprojekt des Landkreises Oberallgäu und der Stadt Kempten. Den Gesamtauftrag hierfür erhielt die Ingenieurgesellschaft bluemove consulting GmbH mit dem Geschäftsführer und Gesamtprojektleiter Arthur Dornburg. Eine wissenschaftliche Begleitung erfolgt unter der Leitung von Prof. Dr. Werner Mehr durch die Hochschule Kempten.

Bei einem Projekttreffen wurden die Zwischenergebnisse den politischen Akteuren vorgestellt, die sich für eine Wasserstoffzukunftsregion Allgäu einsetzen. Mit auf dem Bild von links: Karl-Heinz Lumer (ZAK), Arthur Dornburg (Projekt HyAllgäu), Michael Lucke (AÜW), Minister Dr. Gerd Müller, MdL Alexander Hold, Thomas Kiechle (Oberbürgermeister Kempten), Maria-Rita Zinnecker (Landrätin Ostallgäu), Renate Deniffel (Bürgermeisterin Wildpoldsried), Wendelin Einsiedler (EnergiePionier), Indra Baier-Müller (Landrätin Oberallgäu).
Bei einem Projekttreffen wurden die Zwischenergebnisse den politischen Akteuren vorgestellt, die sich für eine Wasserstoffzukunftsregion Allgäu einsetzen. Mit auf dem Bild von links: Karl-Heinz Lumer (ZAK), Arthur Dornburg (Projekt HyAllgäu), Michael Lucke (AÜW), Minister Dr. Gerd Müller, MdL Alexander Hold, Thomas Kiechle (Oberbürgermeister Kempten), Maria-Rita Zinnecker (Landrätin Ostallgäu), Renate Deniffel (Bürgermeisterin Wildpoldsried), Wendelin Einsiedler (EnergiePionier), Indra Baier-Müller (Landrätin Oberallgäu).
Bei einem Projekttreffen wurden die Zwischenergebnisse den politischen Akteuren vorgestellt, die sich für eine Wasserstoffzukunftsregion Allgäu einsetzen. Mit auf dem Bild von links: Karl-Heinz Lumer (ZAK), Arthur Dornburg (Projekt HyAllgäu), Michael Lucke (AÜW), Minister Dr. Gerd Müller, MdL Alexander Hold, Thomas Kiechle (Oberbürgermeister Kempten), Maria-Rita Zinnecker (Landrätin Ostallgäu), Renate Deniffel (Bürgermeisterin Wildpoldsried), Wendelin Einsiedler (EnergiePionier), Indra Baier-Müller (Landrätin Oberallgäu).
Initiativen und Stärken bündeln
Parallel zu der Studie vom Landkreis Oberallgäu und der Stadt Kempten, machten sich auch die Unternehmen ZAK, Allgäuer Überlandwerk und Allgäuer Kraftwerke unter der gemeinsamen Firmierung Bioenergie Allgäu GmbH Gedanken zur Erzeugung von grünem Wasserstoff im Allgäu. Durch die enge Vernetzung aller Akteure in der Region konnte das Gesamtpotenzial an grünem Wasserstoff aus dem Allgäu von ursprünglich 30 Tonnen auf rund 1.000 Tonnen Wasserstoff im Jahr angehoben werden.

Neue Technologien benötigen Starthilfen
Ziel aller Projektpartner ist es, in ein paar Jahren ein wirtschaftliches Geschäftsmodell rund um die Wasserstofferzeugung zu entwickeln. Nachdem eine Wasserstoffproduktion auf der Kläranlage schon sehr schnell in einer Fördermaßnahme berücksichtigt werden konnte, zeichnet sich nun auch für den Standort des ZAK eine Förderunterstützung ab. Damit kann bereits 2021 mit Planungsleistungen für die zwei Standorte in Kempten begonnen werden.

Die Akzeptanz und zuverlässige Abnehmer spielen eine entscheidende Rolle
Damit sich die Investitionen in die Wasserstofferzeugung lohnen, brauchen wir große Abnehmer mit zuverlässigen Verträgen, sagt Michael Lucke, Geschäftsführer AÜW. Dazu sei man bereits sehr früh mit möglichen Partner aus ÖPNV und Logistik in die Gespräche gegangen. Derzeit ist die Nachfrage an „grünem Wasserstoff“ zu marktgerechten Preisen noch nicht sehr hoch. Michael Lucke vergleicht es mit dem „Henne-Ei Problem“. Einer muss sich zur Henne erklären und das übernehmen wir mit unseren Partnern.

In den Gesprächen mit den regionalen Busbetreibern wurde schnell deutlich, dass die Umrüstung auf Wasserstoff gegenüber den Dieselfahrzeugen mit deutlichen Mehrkosten verbunden ist. Diese Punkte müssen wir ernst nehmen und uns konkrete Maßnahmen überlegen, wie wir auch diesen Bereich zum Start fördern können. Wenn uns das nicht gelingt, wird es schwer werden die notwendige Akzeptanz für die neue Technologie zu erhalten, betont Lucke.

Im profilierten Gelände des Allgäus bietet die Wasserstofftechnologie bei Linienbussen dafür große Vorteile. Wenn mittelfristig 20 Wasserstoffbusse, verteilt auf Kempten, Oberstdorf und Lindau eingesetzt werden, könnte damit die erste Stufe der Wasserstoffproduktion direkt in der Region genutzt werden. Bis es soweit ist, bemüht sich das gesamte Projektteam um alternative Absatzmöglichkeiten, beispielsweise bei eigenen und kommunalen Fahrzeugen, der Logistikbranche oder Partnern über das Allgäu hinaus.
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Landrätin Baier-Müller (Landkreis Oberallgäu) und Oberbürgermeister Kiechle (Stadt Kempten) sind sich einig:
​​​​​​​„Beim Thema Energiewende werden wir auch zukünftig gemeinsam vorangehen. Wenn es uns gelingt – wie beim Thema Wasserstoff – unsere Ressourcen vor Ort nachhaltig zu nutzen, zu veredeln und Wertschöpfung zu erzielen, dann sind wir auf dem richtigen Weg.“ 
Mit den Projektergebnissen sind beide sehr zufrieden. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen, dass es von großem Vorteil ist, wenn der Wasserstoff möglichst dort verbraucht wird, wo man ihn auch erzeugt.

Das Abschluss-Symposium des Projekts HyAllgäu findet am 29. und 30. Juli 2021 an der Hochschule Kempten und per Live-Übertragung im Internet statt. Alle Informationen finden Sie unter:

HyAllgäu-Symposium (externer Link) 

Die Teilnahme vor Ort ist für eine begrenzte Teilnehmerzahl möglich. Die Anmeldung erfolgt über den folgenden Link: 
Anmeldung HyAllgäu-Symposium (externer Link)

Die Veranstaltung findet zum Abschluss des Projekts HyAllgäu statt. Das Projekt wird vom Landkreis Oberallgäu und der Stadt Kempten durchgeführt und zu 100% über das HyExpert-Programm des Bundesverkehrsministeriums gefördert.

Eine Übersicht über Unterkünfte in der Stadt Kempten findet sich unter:

Panorama der Allgäuer Alpen
Panorama der Allgäuer Alpen
HyExpert-Logo
HyExpert-Logo
HyExpert-Logo
Logos des BMVI, der NOW und von PtJ
Logos des BMVI, der NOW und von PtJ
Ralf Brandt, BMVI
Übergabe des Förderbescheids für das Projekt HyAllgäu durch Bundesminister Andreas Scheuer an Vertreter des Abwasserzweckverbands Kempten und Landkreis Oberallgäu
Übergabe des Förderbescheids für das Projekt HyAllgäu durch Bundesminister Andreas Scheuer an Vertreter des Abwasserzweckverbands Kempten und Landkreis Oberallgäu
© Ralf Brandt, BMVI
Übergabe des Förderbescheids für das Projekt HyAllgäu durch Bundesminister Andreas Scheuer an Vertreter des Abwasserzweckverbands Kempten und Landkreis Oberallgäu
HyAllgäu: Projekt zur wirtschaftlichen und regionalen Gewinnung von Wasserstoff aus erneuerbaren Energien

Projektlaufzeit: 2020/2021

Ansprechpartner: Simon Steuer
klimaschutz@lra-oa.bayern.de
Tel.: 08321/612-617

Förderung: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur
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