Allgäuer Klimabürger

Stefanie Grömmer & Martin und Judith Kensy


Von der Vision zur Wirklichkeit - "Freilich Unverpackt" in Immenstadt


Beim Einkaufen von Lebensmitteln, aber auch Körperpflegeprodukten und Reinigungsmitteln möglichst wenig Verpackungsmüll zu produzieren – diese Idee steckt hinter den „Unverpackt-Läden“. Dieser Einkaufstrend aus der Großstadt hat seinen Weg ins Allgäu gefunden.
Seit April 2019 können auch die Oberallgäuerinnen und Oberallgäuer weitgehend „verpackungslos“ einkaufen – bei „Freilich Unverpackt“ in Immenstadt.

Hinter dem Laden - bzw. der Ladentheke in der Rothenfelsstraße - stehen drei junge Immenstädter UnternehmerInnen, die mit Freilich Unverpackt ihre Vision von nachhaltigem Konsum und nachhaltigem Unternehmertum leben.  Judith und Martin Kensy und Stefanie Grömmer haben ihren Laden und das darin integrierte Café mit viel Herzblut und innovativen Ideen aufgebaut. Im Interview erzählen Sie, wie aus ihrer Vision Wirklichkeit wurde.

Was hat Euch dazu bewogen, einen Unverpackt-Laden in Immenstadt zu eröffnen?
Immer gehäufter werden die Berichte rund um die Klimakatastrophe und immer lauter die Frage nach passenden und sinnvollen Lösungen. Im Sommer 2018 – der bis dato heißeste Sommer mit viel Dürren, Ernteausfällen und Überschwemmungen – haben wir uns zusammengetan mit der Frage, welchen Beitrag wir konkret leisten können für eine Zukunft, die weniger belastend ist für unsere Natur. Da kam die Idee des Unverpackt-Ladens auf. Damit wollen wir es den Menschen hier in Immenstadt leicht machen, verpackungsreduziert einzukaufen. Verpackungsreduziert heißt weniger Belastung für Natur und Umwelt - und dies ganz leicht im Alltag integrierbar.
 

Was waren die größten Hürden und Probleme bei der Realisierung der Idee und wie habt ihr diese gelöst?
Allerlei große und kleine Hindernisse kamen bei der Umsetzung des Ladens auf uns zu, und um das Projekt anzuschieben brauchte es viel Energie und Zeit. Doch die Unterstützung von allen Seiten war enorm! Unsere Familien und Freunde, das tolle kooperative Netzwerk der Unverpacktläden und die zahlreichen Unterstützungsangebote aus der „Crowd“ – die Menschen, die uns beim Crowdfunding unterstützt haben. Dies hat uns immer wieder beflügelt und motiviert!
Aber um es nochmal konkreter zu machen, reichten die Herausforderungen von der Öffentlichkeitsarbeit via social-media, was für uns zum Großteil Neuland war, über eine betriebswirtschaftliche Finanzplanung (wir sind alle keine BWLer), bis zur Einhaltung der Verbraucherschutzanforderungen bei der Inneneinrichtung.


Freilich Unverpackt
Der Laden in der Rothenfelsstr. 6 in Immenstadt...
Der Laden in der Rothenfelsstr. 6 in Immenstadt...
© Freilich Unverpackt
Der Laden in der Rothenfelsstr. 6 in Immenstadt...
Heike Schmitt
...ist mit viel Holz eingerichtet
...ist mit viel Holz eingerichtet
© Heike Schmitt
...ist mit viel Holz eingerichtet
Logo Laden Freilich Unverpackt
Logo Laden Freilich Unverpackt

Freilich Unverpackt
M. und J. Kensy & S. Grömmer
M. und J. Kensy & S. Grömmer
Was uns antreibt

Es erscheint dringender und notwendiger denn je zuvor, dass wir Menschen aktiv werden und beginnen, unsere Lebensweise an ökologischen Bedingtheiten zu orientieren.
Doch kann nicht jede*r von uns sich auf der Ebene der Weltpolitik für ökologische Ziele einsetzen; nicht jede*r kann als Aktivist*in die Weltmeere säubern.
Wir sind überzeugt von der Wirksamkeit lokaler Initiativen, und vom Veränderungspotenzial, das jede*r Einzelne von uns in sich trägt.

Freilich Unverpackt
Rothenfelsstr. 6, Immenstadt
Öffnungszeiten: Mo - Fr 9.00 - 18.00 Uhr. Sa 9:00 - 13:00 Uhr
Wie waren Eure Erfahrungen mit dem Crowdfunding?
Das Crowdfunding war eine tolle und aufregende Erfahrung. Die Vorbereitung ist sehr intensiv, das Ergebnis hat uns aber umgehauen!
Um unsere Idee zu streuen haben wir einen kurzen Trailer produziert, der unser Konzept kurz und schlüssig zusammenfasst.
Über social-media und die Crowdfundingplattform startnext.com haben dann so viel Werbung gemacht wie möglich. Als unsere Kampagne startete, waren wir überwältigt vom Interesse für dieses Projekt und von der Zahl der Unterstützer. Nach einer Woche hatten wir unser erstes Finanzierungsziel erreicht. Und nach 4 Wochen beendetet wir die Kampagne vorzeitig und konzentrierten uns nur noch auf die Eröffnung des Ladens.
Das war natürlich sehr motivierend für uns. Wir haben uns riesig gefreut und waren sehr dankbar für diesen Vertrauensvorschuss!

Bitte gebt einen kurzen Überblick über euer Sortiment
Unser Anspruch und unser Ziel ist es, dass man bei uns alles bekommt, was man für das tägliche Leben braucht.
Aktuell gibt es bei uns allerlei trockene Nahrungsmittel, die sich hervorragend für den offenen Verkauf anbieten: Nudeln, Müsli, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Gewürze etc.
An unserem Gemüsesortiment aus Martinszell (knapp 10 Kilometer von Immenstadt) und aus Bodnegg (Oberschwaben) freuen wir uns besonders – eine so schöne Fülle an regionalen und mit viel Engagement produzierten Nahrungsmitteln.
Freilich unverpackt gibt es auch verschiedene Spül- und Waschmittel sowie Naturkosmetikprodukte, beispielsweise festes Shampoo, Zahnpasta ohne Verpackung, Cremes zum selbst abfüllen usw.
Butter, Quark, Joghurt und Käse beziehen wir aus der Gegend und Brot wird von der hiesigen Vollwertbäckerei geliefert.
Außerdem kann man in unserem gemütlichen Café selbstgemachten Kuchen, Kaffee und herzhafte Snacks genießen.

Wie funktioniert das Einkaufen bei „Freilich Unverpackt“ ganz praktisch, was muss der Kunde mitbringen?
Ganz einfach: Eigene Gefäße mitbringen – seien es Gläser, Dosen, Beutel oder auch eine Plastiktüte, die mehrfach verwendet wird. Dann an unserer Waage das Leergewicht feststellen und draufschreiben. Jetzt kann selbständig eingefüllt werden - was und wieviel man möchte.
An der Kasse wird dann das Leergewicht abgezogen und nur der Inhalt bezahlt.
Für den Spontaneinkauf haben wir Gefäße zum Verkauf im Laden oder es gibt auch die Möglichkeit, sich kostenlos bei den Gläsern "von Kunden für Kunden" zu bedienen.

 
Heike Schmitt

© Heike Schmitt

Freilich Unverpackt

© Freilich Unverpackt

Heike Schmitt

© Heike Schmitt

Heike Schmitt

© Heike Schmitt
Heike Schmitt
Das Cafe ist mit Second-Hand-Möbeln ausgestattet
Das Cafe ist mit Second-Hand-Möbeln ausgestattet
© Heike Schmitt
Das Cafe ist mit Second-Hand-Möbeln ausgestattet

Verpackungsmüll zu reduzieren ist definitiv ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. Habt ihr noch weitere Klimaschutz-Maßnahmen in eurem unternehmerischen Alltag umgesetzt?
Für die Inneneinrichtung haben wir zum großen Teil gebrauchte Möbel und bereits benutztes Holz verwendet. Unser Inventar von der Kaffeemaschine über das Geschirr bis zur Kücheneinrichtung ist fast alles Second-Hand. Wir beziehen natürlich Ökostrom und arbeiten mit der GLS-Bank zusammen.
Ein weiteres großes Ziel ist es, viele Produkte aus der Region anzubieten. Unser Gemüse, die Milchprodukte, Honig, Essig, Öl, Getreide, ... beziehen wir aus dem Umland. Außerdem ist es uns sehr wichtig, so wenig Abfall wie möglich entsteht zu lassen und in Kreisläufen zu denken. So werden unsere Kartons aus der Anlieferung an unseren Kaffeeröster weitergegeben, der sie wiederum für seine Lieferungen gebrauchen kann.

Funktioniert das Konzept „Unverpackt“ auch auf dem Land – wie ist Eure Bilanz nach einem halben Jahr "Freilich Unverpackt" in Immenstadt?
Das Konzept funktioniert definitiv. Natürlich liegt es auch am momentanen Zeitgeist und dem Wandel, der in der Gesellschaft passiert. Viele Menschen nehmen die Möglichkeit gerne an und können somit ihren Beitrag zu weniger Müll und somit zum Klimaschutz leisten.
Und wer nicht unbedingt unverpackt einkaufen möchte, kann in unserem gemütlichen Café seinen Cappuccino genießen, natürlich aus fairer Produktion und verpackungsfrei geliefert.

Unverpackt einzukaufen schont die Ressourcen und ist damit gelebter Klimaschutz. Welche Rolle spielt Klimaschutz in eurem privaten Alltag?
Klimaschutz ist auch in unserem privaten Alltag eine sehr wichtige Sache. Wenn möglich benutzen wir Fahrrad oder Bahn, oder wir reparieren und flicken unterschiedlichste Alltagsgegenstände.
Was uns aber am Herzen liegt ist ein gelebter Klimaschutz mit Herz und Freude. Das heißt, dass wir es uns auch gönnen, nicht immer nur klimaneutral zu leben – dazu gehört zum Beispiel ein Familienurlaub im Süden mit dem Auto!
 

Freilich Unverpackt
Oliven schöpft man sich aus großen Gläsern
Oliven schöpft man sich aus großen Gläsern
© Freilich Unverpackt
Oliven schöpft man sich aus großen Gläsern
Heike Schmitt
Öl zapfen die Kunden aus Metallgefäßen
Öl zapfen die Kunden aus Metallgefäßen
© Heike Schmitt
Öl zapfen die Kunden aus Metallgefäßen

Es ist nie zu früh!
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