Simon Steuer
Klimawandel

Klimawandel im Allgäu


Ist unser Winter bald Schnee von gestern? Fällt unser Sommer bald ganz ins Wasser?


Starkregenfälle und Hitzewellen im Sommer, ganzjährig über die Ufer tretende Bäche und Flüsse, schneefreie Hänge und grüne Weihnachten im Winter ... von der Luftmatratze bis zu den Schneeschuhen – der Freizeitspaß bleibt immer öfter im Keller.
Eine kurze Skizze zum lokalregionalen Klimageschehen
Eine im Frühjahr 2013 zur Schneesicherheit in Bayern veröffentlichte Studie der Universität Innsbruck kommt zu dem Schluss, dass der Klimawandel im Allgäu und den Bayerischen Alpen in den nächsten 20 Jahren weiter massiv voranschreiten wird. Auch die neuen Erkenntnisse von Klimaexperten lassen wenig Positives hoffen: Für die Region Oberstdorf wird bis 2050 eine durchschnittliche Temperaturzunahme im Winter von bis zu 2,5 Grad prognostiziert. Dabei wurde auch ermittelt, dass schon bei einem Anstieg um 2 Grad bis 2035 nur noch drei der momentan 19 Skigebiete weiterhin als schneesicher gelten und mit technischer Hilfe eine 100 Tage dauernde Skisaison anbieten können.
Winter und Sommer werden schleichend kürzer
Aufzeichnungen der Wetterstation in Kempten belegen, dass sich die Jahreszeiten seit den frühen 1990er Jahren verschoben haben. Dauerte unser Winter im langjährigen Mittel zwischen 1960 und 1990 ganze 124 Tage, kommen wir seit 1991 im Mittel nur noch auf 113 Tage. Dies hat zur Folge, dass im Durchschnitt sowohl der Frühling (+ 6 Tage) als auch der Herbst (+ 9 Tage) länger geworden sind, während sich der Sommer um 2 Tage verkürzt hat.

Die instabilen Wetterphasen haben nicht nur Folgen für den Wirtschaftsfaktor Tourismus, sondern auch für dieRentabilität der im Allgäu typischen Landwirtschaft.

Die Ursachen: CO2 (Kohlendioxid) - hausgemachter Klimakiller Nr. 1


CO2 ist ein lebensnotwendiger Bestandteil der Luft und des Klimasystems Erde und zugleich Klimakiller Nummer eins. CO2 trägt zum natürlichen Treibhauseffekt der Atmosphäre bei, indem es in der Erdatmosphäre gleichsam eine „Hülle“ bildet, die Sonnenwärme auf die Erde zurückreflektiert. Ohne Treibhausgase wäre es auf der Erde im Durchschnitt minus 15 Grad kalt – die Ökosysteme wie wir sie heute (noch) kennen, wurden und werden maßgeblich durch den natürlichen Treibhauseffekt beeinflusst.
Zusätzliche Treibhausgase werden von uns Menschen freigesetzt – allen voran CO2. Durch diese zusätzlichen CO2- Teilchen in der Atmosphäre wird die wärmereflektierende Wirkung der Erdatmosphäre immer stärker, der Treibhauseffekt wird „befeuert“ und die Temperaturen auf der Erdoberfläche steigen. Wir setzen CO2 vor allem durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe wie Kohle und Öl frei, die über Jahrtausende im Boden gebunden waren. Dadurch haben wir das Klimasystem bereits stark verändert – mit spürbaren Folgen für die gesamte Natur.

Weltrekord CO2


Laut Weltklimarat (IPCC) haben die Emissionen aus menschlicher Aktivität die Konzentration von CO2 in der Erdatmosphäre seit Beginn der Industrialisierung um knapp 40% ansteigen lassen! Damit ist die gegenwärtige Konzentration höher als in den letzten 800.000 Jahren, wahrscheinlich auch höher als in den letzten 20 Mio. Jahren. Um einen Zeitvergleich zu geben: Die letzte Eiszeit ging vor gerade einmal 10.000 Jahren zu Ende und die Entwicklung des modernen Menschen begann vor ca. 50.000 Jahren. In diesen kurzen Phasen gab es bereits erhebliche Temperaturschwankungen, doch nichts im Vergleich, was uns mit dem aktuellen CO2-Gehalt der Atmosphäre bevorsteht.

Die gute Nachricht ist, dass das CO2 aus der Atmosphäre relativ rasch, in einigen Jahrzehnten von Pflanzen wieder aufgenommen und in feste Pflanzenbestandteile umgebaut wird. Wenn die Menschheit es also schafft, bis ca. 2050 einen Lebensstil zu entwickeln, der kaum noch CO2 erzeugt, dann wird sich einige Jahrzehnte später vermutlich auch der Treibhauseffekt wieder abschwächen. Unsicherheiten bleiben, da im Klimasystem der Erde Kipp-Punkte bestehen, die voraussichtlich irreversibel sind. Solche Kipp-Punkte sind beispielsweise
  • eine eisfreie Arktis, die die volle Sonnenenergie im Sommer aufnimmt und sich weiter erwärmt,
  • ein Wandel des Amazonasregenwaldes, der "grünen Lunge der Erde", in Savanne
  • eine Abschwächung des Golfstroms
  • das Absterben der borealen Nadelwälder in Russland und Kanada aufgrund sommerlicher Hitzeperioden
  • und noch einige mehr...
Der Landkreis Oberallgäu hat sich deshalb die wissenschaftlich notwendigen Ziele gesetzt: Bis 2050 sollen 95 Prozent der Treibhausgase vermieden werden. Mit dem Masterplan für 100% Klimaschutz wird nachgewiesen, mit welchen Maßnahmen dies erreichbar ist.
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